Velothon 2015

Alle Jahre wieder lassen wir uns nicht lumpen und stellen uns beim Heim-Hauptstadtrennen des Jahres, dem Velothon, in den vollen Startblock. Im Gegensatz zum letzten Jahr war es in diesem trocken und sonnig. Beste Voraussetzungen also, eine kleine Sonnenspazierfahrt zu veranstalten.

Diesmal schickten wir zwei Renner (Moritz und mich) auf die kurze Strecke und einen (Tommi) auf die 120er Runde.
Ich wollte nur die kurze Qual, weil ich im letzten Jahr halb tot und dreiviertel erfroren vom Rad gestiegen war und die Sache diesmal, im Falle von Regen, schnell hinter mich gebracht wissen wollte. Tommi ist nach 100km erst richtig in Fahrt und Moritz‘ Gründe sind unbekannt ;-)

Schnell hinter sich bringen wollten das Rennen offensichtlich auch die Jungs vom Tacx Racing Team, die sich, kaum war das Startschussfiepen im Ohr verhallt, kollektiv vor das Feld spannten und das Tempo auf über 50km/h anzogen. So schnell hatte man (zumindest auf der langen Runde) noch nie Löcher reißen sehen und selten war das Rennen so schnell entschieden. Bereits am Spandauer Damm, also kaum 10km nach dem Start, setzten sich vier Mann ab, drei davon Tacx Fahrer und waren nie wieder gesehen. Dahinter formierte sich ein Verfolgertrio mit zwei weiteren Tacxanern und der Hälfte des Teams verduro.de, vertreten durch meine Wenigkeit.

Zwar gelang es uns nicht, zur Spitze aufzuschließen, aber den Abstand zum Feld (oder was davon noch übrig war) konnten wir drei zuerst vergrößern und dann stabil halten.
So ging es gut 40km durch die Stadt. Kreiseln, kämpfen, atmen, essen, trinken, kreiseln. An mehr wollte und konnte ich nicht denken. Denn zu viel denken hätte mich schneller, als es ohnehin der Fall war, zu der Erkenntnis gebracht, dass die beiden Mitstreiter einen Zahn zu schnell fuhren bzw. aus meinen Beinen einfach zu wenig heraus kam. Jede Führung brachte mich ans Limit und war unserem Tempo zumindest nicht zuträglich.
Und so war es eine Frage der Zeit, bis aus dem Trio erst drei Einzelfahrer und kurz danach ein Tacx Duo und ein einzelner Julian wurden.

Einige Kilometer kämpfte ich mich nun allein über die Skalitzer Straße und an der Eastside Gallery entlang und sehnte den Moment herbei, vom Feld in den warmen, windschattigen Schoss aufgenommen zu werden.
Als dies geschah, war die Freude groß, dass auch Moritz noch mit von der Party war, der sich in der Startphase des Rennens ebenfalls in die vorderen Positionen kämpfen konnte und so seinen Platz im ersten Feld sicherte.

Die letzten Kilometer fuhren wir so im Feld und hielten uns von Stürzen fern, die nun vermehrt auftraten.
Dass es sowohl für Moritz als auch für mich im Zielsprint nicht mehr für ein Top Ergebnis reichte, war abzusehen und daher auch nicht weiter überraschend. Als Nummer 40 und 41 fuhren wir über den Zielstrich und das Abenteuer „kurze Strecke“ war beendet.

Fazit: Schön wars, vielleicht etwas früh am Morgen aber zumindest sonnig.
Aber die Frage bleibt: Wo ist nur die Leistung geblieben? Oder liegts am Alter…? ;-)

PS: Glückwunsch an die Tacx Bande mit dem Sieger Martin – Reife Leistung Jungs!(jr)

 

Für die 120er Distanz gibt es natürlich auch einen Bericht. Und zwar den von Tommi. Hier ist er:

Tommi kommt ja leider nicht mehr so oft auf das Rad. Dafür versucht er immer im Kopf STARK zu sein. So wusste er, dass es heißt: Körner sparen und entspannt zum Start rollen. 10 Minuten vor dem Start scharrten aber schon so viele Starter im Block A mit den Füßen, dass nur noch ein Platz in der letzten Reihe frei war.
Nach dem Startschuss bedeutete dies für Tommi erst einmal, 15 km lang Vollgas fahren, um sich durch ca. 450 Starter zu wühlen. Schließlich ist es ja immer ganz gut, im vorderen Teil des Feldes zu fahren. Das weiß Tommi noch aus früheren Renntagen.

Dann wurde es hügelig, dann windig, dann ging es um die Ecken, dann wurde es hektisch, dann ging es straff übers Tempelhofer Feld und wieder um viele Ecken. Tommi musste ganz viel beißen und seinem Körper einiges abverlangen. Aber Radfahren verlernt man ja bekanntlich nicht…
So kam es auch, dass Tommi mit der ersten großen Verfolgergruppe (9 Mann hatten sich schon bei Stahnsdorf aus dem Staub gemacht) auf die Zielgerade einbog. Hier reichte es für einen beachtlichen 23. Platz (32. Gesamt), auch wenn mit einer besseren Positionierung im Sprint noch etwas mehr drin gewesen wäre.

So bleibt es dabei, Tommi hat gekämpft und gezeigt, dass Stärke im Kopf, das schwache Fleisch besiegen kann!(tt)

Moritz TT